All That Jazz

Christian Broecking über "All That Jazz"

Einen geschichtsträchtigen Namen haben sich auch vor langer Zeit schon der Saxofonist Ernst-Ludwig Petrowsky und die Sängerin Uschi Brüning zugelegt. Ihr Bandprojekt "Enfant" geht auf eine frühe Komposition von Ornette Coleman zurück. Petrowsky, der im Dezember 70 wurde, erinnert sich an 32 Takte Piepen, swingenden Groove und daran, dass er davor noch nicht mal in den Osten ahauen konnte, in den Sechzigern, als "Voice Of America" aus Tanger nachts Jazz in ostdeutsche Stuben sendete. Die DDR war sehr weit von der Quelle entfernt. Deshalb diese furchtbare Zickigkeit und diese Wolga-Don-Swing-Klumpen zwischen Marschrhythmen und Musenstimmung.
Im Twistkeller des Kreiskulturhauses Treptow trafen sich Musiker und Fans und gründeten einen ehrenamtlichen Jazzfanclub. Der Sound der Vorstadt und die Konferenzen, Proben in Petrowskys Hütte am Berliner Stadtrand. Man saß zusammen und konnte stundenlang quasseln. Aber eigene Jazztradition? Innerer Drang, sagt Petrowsky. Und was kam danach? Persönlicher Stil und Haltung. Underdogstatus, Billiggagen, Privatquartiere, Subventionsdschungel - ein fieses kleines "Welcome to the World of Jazz".
Und dann war da ja noch die einsame Sängerin. "Sie war für uns Musiker wie für das Publikum in diesem ummauerten Pförtner- und Polit-Spießer-Kleingarten, genannt "DDR", die einzig legitime Soul-, Blues- und Gospel-Stimme", sagt Luten über Uschi.